Ursachen des Lehrpersonenmangels und der Belastung durch unterrichtsfremde Aufgaben
Der St.Galler Kantonsrat hat eine Reihe von Massnahmen zur Bekämpfung des Lehrpersonenmangels beschlossen. Dazu gehört unter anderem die Erhöhung der Kündigungsfrist für Lehrpersonen von drei auf vier Monate. Leider konnte die GLP nicht durchsetzen, dass diese Massnahme zeitlich begrenzt wird. Sarah Noger-Engeler sagte dazu: «Bereits jetzt können Lehrpersonen lediglich auf das Ende eines Semesters ihre Stelle kündigen. Im Vergleich mit anderen Arbeitnehmenden im öffentlichen oder privaten Dienst ist dies eine starke Einschränkung. Eine Verlängerung der Frist zur Zeit des Lehrpersonenmangels ist ein falsches Signal!»
Fokus auf Grundkompetenzen – Französisch erst ab der Oberstufe
Das Parlament hat weiter entschieden, Französischunterricht von der Primarschule auf die Oberstufe zu verlagern. Dieser Entscheid wurde mit 88 Ja-, 24 Nein-Stimmen und einer Enthaltung bei einer gemeinsamen Motion aller vier Fraktionen gefällt. Die GLP betonte in den Voten, dass die verschiedenen Landessprachen als Ressource und nicht als Belastung betrachtet werden sollten. Es ist entscheidend, Mehrsprachigkeit aktiv zu leben und nicht als zusätzliche Hürde zu sehen. Studien zeigen jedoch, dass die Schülerinnen und Schüler in der 5. und 6. Klasse kaum Kompetenzen im Französisch erwerben. Deshalb unterstützte eine Mehrheit die Idee, in der Primarschule die anderen Grundkompetenzen zu stärken und dafür auf der Oberstufe den Fokus auf Französisch zu setzen, mit institutionalisiertem Kulturaustausch und mit Partnerschulen in der Romandie.
Für Bewegung im Rat und später auch Schlagzeilen sorgte Andreas Bisig, der sein Votum auf Französisch hielt. Ein dagegen erhobener Ordnungsantrag mit der Begründung «Ich bin dagegen, dass da hinten Französisch gesprochen wird» wurde klar abgelehnt und Andreas sprach unbeirrt in fliessendem Französisch weiter.
Vielfalt der Schulformen respektieren und absichern
Der Kantonsrat hat die Motion zur Förderung der Vielfalt der Schulformen, die sogenannte „Kathi-Motion“, überwiesen. Die Grünliberalen anerkennen die Bedeutung pädagogisch vielfältiger Schulen und unterstützt es, dass Schulen ihre Konzepte eigenständig weiterentwickeln können. Gleichzeitig mahnt die GLP die bestehenden Rechtsunsicherheiten an, die bei der Umsetzung nicht unbeachtet bleiben sollten. Nach wie vor ist hier unklar, wie es wirklich weitergeht, nach dem Bundesgerichtsurteil vom Januar. Auch der Weg über eine Verfassungsänderung bleibt rechtlich mit Risiken behaftet.